Folgen der COVID-19-Pandemie für die EU-Haushalte
WIRTSCHAFT & FINANZPOLITIK: Die Krise um das Coronavirus SARS-CoV-2 wird allem Anschein nach noch einige Monate andauern. Während derzeit die Folgen in Bezug auf die persönliche Gesundheit und die Funktionalität des Gesundheitssystems im Vordergrund stehen, werden innerhalb der nächsten Monate auch mehr und mehr die wirtschaftlichen Konsequenzen zum Tragen kommen. Die Schwierigkeiten für die weltweiten Volkswirtschaften werden aller Voraussicht nach größer als die nach den vergangenen Wirtschaftskrisen sein.

Internationale Solidarität ist nötig
Das sieht allerdings in vielen Ländern anders aus. In der Eurozone hat gerade das vom Virus zum jetzigen Zeitpunkt besonders schwer betroffene Italien völlig andere Voraussetzungen. Mit einer Staatsverschuldung von über 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sind die fiskalischen Möglichkeiten der italienischen Regierung erheblich beschränkt. Alleine durch die Reduktion der Wirtschaftsleistung wird diese Quote wohl auf über 140 Prozent ansteigen. Die Kosten eines dringend notwendigen Konjunkturpaketes zum Wiederaufbau nach der Krise werden noch einmal signifikante Schuldenerhöhungen mit sich bringen müssen. Allerdings gehen alle diese Bewegungen mit einer Gleichzeitigkeit auf dem Anleihenmarkt einher. Die massiven Herausforderungen, vor denen sich Italien sieht, tragen dazu bei, dass die Refinanzierungskosten durch höhere Zinsen steigen. Ein solches Szenario ist nachhaltig nicht aufrechtzuerhalten. In dieser Situation ist Italien nicht alleine. Auch Spanien scheint derzeit auf einem ähnlichen Kurs zu sein, dort liegt die Staatsschuldenquote bei fast 100 Prozent. In vielen anderen Ländern ist die Lage nach einer andauernden konjunkturellen Flaute bisher noch kaum abzusehen. Eines steht jedoch fest: In der jetzigen Lage ist es dringend erforderlich, dass es eine internationale Solidarisierung innerhalb der Eurozone gibt. Die Möglichkeiten dazu werden gerade in den entsprechenden Gremien umfassend diskutiert, seien es eine Verstärkung des Anlagenkaufs der letzten Jahre, durch sogenanntes Quantitative Easing, oder eine Erweiterung des Ankaufs kurzfristiger Anleihen von Staaten im Euro-Währungsgebiet, sogenannte geldpolitische Outrightgeschäfte, oder gar ein Helikoptergeld. Letzteres bedeutet, dass neues Geld geschaffen wird, welches direkt an den Bürger ausgegeben wird. Welche Mittel am besten geeignet sind, gilt es jetzt für die Akteure in den Zentralbanken und Regierungen zu beraten. Die Wahl des geeigneten Mittels und schnelles, geeintes Handeln sind jetzt von großer Bedeutung. Nur so kann ein dauerhaftes Einbrechen der Wirtschaft und eine Destabilisierung der Sozialsysteme in Europa verhindert werden. Es ist wichtig, dass wir gerade in dieser Zeit, in der der gesamte Globus vom Coronavirus SARS-CoV-2 betroffen ist, eine neue Solidarität zeigen. Nationale Interessen sollten nicht die treibende Kraft sein. Nur so wird es zu schaffen sein, das wirtschaftliche Handeln auf der gesamten Welt wieder ankurbeln zu können.